Einlagensicherung

Dem Thema der Einlagensicherung sollten Anleger vor der Kontoeröffnung Aufmerksamkeit schenken. Nicht nur die Pleiten der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sowie der isländischen Kaupthing Bank haben die Bedeutung der Einlagensicherung deutlich gemacht.

Was ist Einlagensicherung?

Mit einer Einlagensicherung hat der Kunde auch bei einer Zahlungsunfähigkeit seiner Bank einen Rückzahlungsanspruch für seine dort eingelegten Gelder.

Für welche Einlagen greift die Einlagensicherung?

  • Sichteinlagen (Tagesgeld und Girokonten)
  • Termineinlagen (Termingeld und Festgeld)
  • Spareinlagen (alle Sparguthaben)
  • Auf den Namen lautende Sparbriefe

Die Einlagensicherung gilt NICHT für Zertifikate, Schuldverschreibungen und Wertpapiere. (Ausnahmen bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken: hauseigene Schuldverschreibungen und hauseigene Zertifikate)

Eigenkapitalvorschriften und gegenseitige Bankenhaftung

Um zu verhindern, dass ein Kreditinstitut insolvent werden kann, sieht das Kreditgesetz eine Eigenkapitalhöhe von mindestens 5 Millionen Euro für jedes Kreditinstitut vor. In der Realität ist dieses Eigenkapital aber weitaus höher. Die genaue Höhe des Eigenkapitals errechnet sich aus dem jeweiligen Risiko einer Bank.

Die Solvabilitätsverordnung soll auf diese Weise sicherstellen, dass auch im Insolvenzfall einer Bank noch genug Eigenkapital da ist, um die Ansprüche der Gläubiger zu bedienen.

Zu 100 Prozent jedoch kann diese Maßnahme das Risiko des Anlegers nicht abdecken. Deshalb gibt es eine weitere Maßnahme: die gegenseitige Haftung der Banken. Da die meisten Kreditinstitute zu großen Bankengruppen oder Konzernen gehören, haften hier die einzelnen Banken innerhalb einer Gruppe auch gegenseitig. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken heißt diese Haftung Institutssicherung. Sie schützt nicht nur Bankeinlagen, sondern auch Schuldverschreibungen.

Folgende Regelungen gibt es zur Einlagensicherung:

Gesetzliche Einlagensicherung

Für alle in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Geldinstitute ist die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Entschädigungseinrichtung Pflicht. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) übernimmt diesen gesetzlich vorgeschrieben Schutz und garantiert die Rückzahlung von Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Anleger und Bank. Bei Gemeinschaftkonten gilt die Grenze pro Gläubiger für seinen Anteil. Die Auszahlungsfrist beläuft sich sieben Arbeitstage. Leistungen Dritter für den eingetretenen Vermögensverlust im Entschädigungsfall mindern den Anspruch aus der gesetzlichen Einlagensicherung. (www.edb-banken.de)

Institutssicherung von Sparkassen und Volksbanken

Bei Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe sowie der genossenschaftlichen Finanzgruppe gilt das Solidarprinzip. Dies bedeutet, kommt ein Mitglied in Schwierigkeiten, helfen ihm die anderen: Bei einer Zahlungsunfähigkeit eines Instituts steht die jeweilige Gemeinschaft füreinander ein. Die gesamten Einlagen sind so in unbegrenzter Höhe über die Institutssicherung abgesichert.

Banken mit institutssichernden Einrichtungen sind von der Pflichtmitgliedschaft in einer gesetzlichen Entschädigungseinrichtung befreit.

Die Sparkassen-Finanzgruppe umfasst Sparkassen, Landesbankkonzerne und Landesbausparkassen.
(Haftungsverbund: Deutscher Sparkassen- und Giroverband, www.dsgv.de)

Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehören Volksbanken, Raiffeisenbanken, Spar- und Darlehenskassen, PSD-Banken und Sparda-Banken sowie kirchliche Kreditgenossenschaften, genossenschaftliche Zentralbanken und Hypothekenbanken und sonstiges Spezialinstitute wie die Bausparkasse Schwäbisch Hall.
(Haftungsverbund: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, www.bvr.de)

Freiwilliger Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB)

Freiwillig sichern über 170 private Banken die Einlagen ihrer Kunden über die gesetzliche Einlagensicherung ab. Die Kundeneinlagen werden bis zu einer Grenze von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank gesichert. Maßgeblich ist dabei der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss. In zwei Stufen ist eine weitere Absenkung der Grenze geplant: ab 01. Januar 2020 beläuft sich die Grenze für die Haftung auf 15 Prozent und ab 01. Januar 2025 auf 8,75 Prozent.

Laut Bankenbundesverband beträgt die niedrigste Sicherungsgrenze heute 1,5 Millionen und ab 2025 pro Kunde 437.500 Euro. (www.bankenverband.de).

Beispiel: Bei der ING-DiBa AG sind laut eigener Aussage die Einlagen jedes einzelnen Kunden bis zu 1,35 Milliarden Euro pro Kunde abgesichert. Ab 2025 würde der Haftungsbetrag nach heutigem Stand auf 394,63 Millionen Euro je Kunde sinken.

Für neu aufgenommene Institute beträgt die Einlagensicherung jedoch nur 250.000 Euro pro Kunde bis zum Ende des dritten vollen Kalenderjahres der Mitgliedschaft im freiwilligen Einlagensicherungsfonds. Ein solches neues Mitglied im Fonds ist beispielsweise die Bank of Scotland.

Sind die Gelder weiter gesichert, wenn eine Bank aus dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds ausscheidet?

Ja. Sollte ein Institut die freiwillige Sicherungseinrichtung verlassen oder aufgrund eines Verstoßes ausgeschlossen werden, genießen die Kundeneinlagen eine Art Bestandsschutz. Kunden haben die volle Sicherheit bis zur Fälligkeit der Sparanlage.

Wann müssen die Sicherungseinrichtungen einspringen?

Eine Entschädigung erfolgt erst, wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) zu dem Ergebnis kommt, dass die Bank nicht in der Lage ist, die Geschäfte fortzuführen oder wenn das Moratorium, also ein der Bank erteiltes Zahlungs- und Veräußerungsverbot, bereits sechs Wochen andauert. Kunden werden schriftlich informiert und innerhalb von 20 Tagen nach Eingang der der Anmeldung entschädigt. Die Entschädigungsansprüche müssen Kunden innerhalb eines Jahres nach Unterrichtung über den Entschädigungsfall anmelden.

Einlagensicherung ausländischer Banken in EU-Staaten (gemäß den EU-Richtlinien)

Nach einer EU-Richtlinie müssen alle Banken in EU-Staaten seit 2011 eine gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro aufweisen.

Beispiel: Bei MoneYou – einem Online-Anbieter von Tages- und Festgeld, der zur niederländischen ABN AMRO Bank gehört – ist das Geld pro Sparer in Deutschland bis zu 100.000 Euro gesichert. Eine weitere freiwillige Sicherung gibt es nicht.

Die Bank of Scotland ist Mitglied im gesetzlichen britischen Einlagensicherungsfonds. Somit sind bis zu 75.000 Britische Pfund (etwa 100.000 Euro) gesichert. Zudem ist die Bank of Scotland Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Da die Bank neues Mitglied ist, werden die Einlagen bis maximal 250.000 Euro gesichert.

Auf dem deutschen Markt gibt es zudem viele türkische Banken mit Tochtergesellschaften, deren Sitz in EU-Ländern sind und die somit der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro unterliegen:

Akbank, Credit Europe Bank, DHB Bank und GarantiBank mit Sitz in den Niederlanden,
DenizBank und VakifBank mit Sitz in Österreich sowie Oyak Anker Bank und Ziraat Bank mit Hauptsitz in Deutschland, Frankfurt am Main. (Neben der gesetzlichen Sicherung unterliegen diese beiden Banken auch der freiwilligen Absicherung im BdB).

Möglich ist jedoch, dass die Abwicklung im Entschädigungsfall bei einer Bank mit Sitz im EU-Ausland problematischer abläuft als in Deutschland. Anleger sollten die Sicherungsgrenzen pro Institut mit ihren Kapitalanlagen nicht überschreiten.

Einlagensicherung in den EU-Staaten

Wie die Einlagensicherung seit 2011 in den unterschiedlichen Ländern der EU umgesetzt wird, zeigt die folgende Übersicht.

Land gesetzliche
Einlagensicherung
zusätzliche
Einlagensicherung
empfohlene
maximale
Anlagesumme
Deutschland 100.000 EUR verschiedene
Sicherungsfonds
je nach Sicherungssystem von 100.000 EUR bis unbegrenzt
Belgien 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Dänemark 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Estland 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Finnland 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Frankreich 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Griechenland 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Großbritannien 75.000 GBP keine 75.000 GBP
Irland 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Italien 103.291,38 EUR keine 103.291,38 EUR
Luxemburg 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Niederlande 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Österreich 100.000 EUR
(50.000 EUR für Unternehmen)
keine 100.000 EUR
Polen 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Portugal 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Schweden 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Spanien 100.000 EUR keine 100.000 EUR
Ungarn 100.000 EUR keine 100.000 EUR

Was bedeutet die Einlagensicherung im Entschädigungsfall für den Kunden?

Privatanleger wie Unternehmen sind durch die Einlagensicherungen der Banken vor einem finanziellen Verlust ihrer Spareinlagen geschützt. Öffentliche Haushalte, Banken und Versicherungen sowie das Management der insolventen Bank sind im Falle einer Insolvenz nicht über die Einlagensicherung abgesichert. Sie erhalten keine Entschädigung.

Im Falle einer Insolvenz müssen die Gläubiger innerhalb von drei Monaten entschädigt werden. Der Anspruch auf Entschädigung muss vom Kunden schriftlich beantragt werden. Die Entschädigungseinrichtung prüft die Ansprüche. Sind diese rechtens, gehen die Ansprüche des Anlegers von der insolventen Bank auf die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH über, die gemäß der Anlegerentschädigungsrichtlinie Entschädigungen bis zu einer Höhe von 100.000 EUR vornimmt.

Handelt es sich bei den Anlagen nicht nur um Spareinlagen, sondern auch um Wertpapiere, kann der Kunde maximal weitere 20.000 EUR an Entschädigung erhalten. Soweit die gesetzlichen Regelungen. Da die Kreditinstitute in Deutschland aber darüber hinaus über ihre Verbände einen erweiterten Schutz anbieten, bekommt man in den meisten Fällen seine gesamte Einlage zurück.

Fazit für Anleger

Bis zu einer Summe von 100.000 Euro genießen Sie den vollen Schutz Ihrer Spareinlagen. Auch bei eher unbekannten Direktbanken, die oftmals mit hohen Zinsen die Vergleiche anführen, müssen Kunden keine Bedenken haben. Nicht selten steht hinter einer solchen Online-Marke ein renommiertes Kreditinstitut. Sofern die Bank an ein funktionierendes Einlagensicherungssystem angebunden ist, das heißt BaFin und BdB keine Gründe für einen Ausschluss sehen, ist das Geld auch über die freiwillige Einlagensicherung bestens geschützt.


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